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obama obama obama obama

ihr lieben!
wow, war der regentag echt der letzte, an dem ich geschrieben hab? das ist ja schon wieder fuenf tage her! mittlerweile scheint hier die sonne wieder unermuedlich. hmmm, was hab ich in der letzten zeit denn alles gemacht? fleissig gearbeitet natuerlich erstmal. die fruehschicht find ich ganz gut. morgens ist es ein bisschen schwierig, aufzustehen, aber die zeit geht perfekt raus, ich bin immer kurz vor sieben in kayole. dann gehts los: alle babys wickeln, waschen und umziehen, zu der zeit stehen sie naemlich grade auf. je nachdem, ob alle da sind, macht das teilweise zehn babys, die ich da in akkordarbeit ''change'', wie man hier sagt. dann kriegen sie wasser zu trinken, um der dehydrierung entgegen zu wirken. danach gibts lecker porridge zum fruehstueck und wenns das wetter erlaubt, klemm ich mir links und rechts ein kleines menschlein auf den arm und dann gehts vier treppen runter, durch den babyhouse-hof in den grossen hof, wo sie alle in einer reihe in die sonne gesetzt werden. dann wieder treppauf, den naechsten schwung holen, und wieder runter... bis alle unten sind. morgensport, sag ich da nur!

manchmal hab ich dann noch was anderes zu tun, wie betten richten, zimmer aufraeumen, becher spuelen oder so, aber heute hab ich die zeit mit klein marco, pauline und japheth verbracht. marco ist schon acht monate alt aber einfach viel zu klein und zu schwach fuer sein alter, und das macht ihn ziemlich wuetend. der kann bruellen, nur weil er sich ueber sich selbst aergert. pauline war im krankenhaus, aber die aunties sagen ja nicht warum (kenianische art der arbeitsatmosphaere - man gewoehnt sich dran, muss ich wohl akzeptieren), aber jetzt ist sie wieder zurueck und grinst in der gegend rum wie ein kleiner sonnenschein. japheth krabbelt immer zu mir, obwohl er ja schon in der aelteren gruppe ist und sagt hallo und setzt sich auf meinen schoss, und wenn ich mich dann um ''meine'' babys kuemmern muss, faengt er immer ganz schrecklich an zu heulen, weil er mich viel toller findet als ''seine'' aunties.

nachmittags war ich immer im go down, wo ich eine art ausweise fuer die strassenboys entworfen habe, damit sie wenigstens ein bisschen sicherheit haben und einen nachweis, falls die polizei sie aufhaelt.

am wochenende haben wir wieder nick besucht in rongai. war sehr nett: es gab chai und brot und wir haben einen film angekuckt und viel gequatscht und gelacht. nick ist der leiter von kuruka maisha, der kulturorganisation fuer die strassenkinder, die im go down arts centre ihre akrobatik- und trommelunterricht kriegen. deswegen wurde er von der amerikanischen botschaft zu einer inauguration party eingeladen. illegaler weise sind david und ich auch irgendwie da rein gekommen. es war nicht ganz so schwer, obwohl wir weder einladung noch reisepass hatten, aber als wazungu ist man doch ueberall willkommen. also sind wir zu irgend so ner privatresidenz, wohl von nem amerikanischen diplomaten, gefahren, wo die ganze obama-zeremonie live uebertragen wurde (und es gab lecker essen for free! ) das war vielleicht witzig: obama tritt auf den bildschirm - die menge flippt aus! obama haelt seine rege - alle sind mucksmaeuschenstill. obama erwaehnt das kenianische heimatdorf seines vaters - die menge rastet aus, die atmosphaere explodiert! war echt lustig. obwohl ich zuerst nicht so viel davon gehalten habe, ich hielt das alles fuer uebertrieben, aber dann hatte ich doch ein bisschen gaensehaut. die usa haben einen neuen presidenten. kenia hat einen neuen praesidenten. die welt hat einen neuen praesidenten. - sagt man hier! diese kenianer!

jetzt zu euren fragen:

meinem magen-darm-trakt gehts wieder blendend. kekse und bananen sind doch die beste medizin!

der regenwald in kenia ist ziemlich im westen, eben direkt bei kakamega, und ich hab gelesen, er ist der letzte rest von nem ganzen guertel aus regenwald, der sich wohl mal durch kenia gezogen hat.

muecken gibts hier genuegend, vor allem bei uns zu hause, weil wir doch direkt so ein rinnsal hinterm haus haben. aber durch mein tolles moskitonetz kommen die nicht durch, und wenn ich dann aus nairobi rausgehe, nehm ich auch wieder die malaria-prophylaxe auf, die ich inzwischen fuer eine weile ausgesetzt habe. ich trage abends lange helle sachen und habe mich mit moskito repellent eingedeckt. hier in nairobi ist die gefahr nicht besonders gross und der doktor gleich um die ecke. natuerlich hab ich ein paar stiche und am anfang war das auch erstmal ein bisschen mulmiges gefuehl, aber ich fuehle mich hier mit meinen vorkehrungen sehr sicher, nehme das auf keinen fall auf die leichte schulter und verspreche allen besorgten eltern und grosseltern, rechtzeitig vor der ausreise wieder pillen einzuschmeissen!

was ich im regenwald will? tja, das ist noch die frage. wie ich von anderen freiwilligen gehoert habe, gibts da anscheinend nicht so wirklich was zu tun. die rede war von einem aufzubauenden schlangenpark, einer schmetterlingsfarm, oekologischen heizprojekten, education und nem office, aber in wirklichkeit ist da wohl tote hose. ich lass es mal auf mich zu kommen, freue mich aber auf jeden fall sehr, aus dieser lauten, vollen, dreckigen und nervenden stadt rauszukommen. nairobi ist so weit ganz interessant und toll, aber irgendwann reichts auch mal!

wann ich das alles schreibe? im moment hab ich ja frei, wegen der morgenschicht, und weil im civs-office niemand mehr ist, sitze ich im internetcafe und tippe hier so vor mich hin. meistens mach ich aber nachmittags noch andere sachen (go down, oder morgen zum beispiel das rescue centre von kuruka maisha, wo die go down leute den strassenjungs lesen und schreiben und so beibringen... oder waesche waschen - hab ich vorher schon erledigt!), deswegen hoert ihr in letzter zeit nicht mehr sooo regelmaessig von mir.

oh ja, der himmel ist in afrika so was tolles! der sonnenaufgang, den ich morgens immer vom matatu aus sehe, ist ein bisschen staubig, aber schoen rosa und orange. der grosse wagen haengt falschrum ueber der strasse vor unserem haus und der mond laechelt zur zeit ein bisschen schief. das ist keine sichel, das ist ein mund oder ne schale. ich hab manchmal angst, dass er runterfallt, so schepps haengt er da oben.

der blubbkas ist mein kleiner snowboarder von bruder wow, snowboarden, das ist so witzig, in der kenianischen hitze von deinen schnee-abenteuern zu lesen!

die tanten haben ihre sachen abgeholt, die das haus blockiert ahben, und haben bloederweise auch den dvd-player mitgenommen, deswegen gibts zur zeit keine filmabende mehr bei uns. aber ich schreibe tagebuch und hier gibts wunderbar billige buecher, da ist das kein problem mit der abendgestaltung.

an den neuen leser: hier blueht nicht sehr viel mehr, als sonst auch nach dem regen. aber das liegt vielleicht daran, dass ich in der grossstadt lebe.

NOCH! ich freu mich so auf die baldigen veraenderungen. noch zweieinhalb wochen, und die werden wohl so schnell vorbei sein wie der letzte monat auch.

mir gehts nichtsdestotrotz sehr gut, ich hab nette leute um mich rum und liebe die afrikanische kueche. (auch deswegen muss ich ins work camp und hart arbeiten: ich hab ein bisschen zugelegt und will ein paar kilos loswerden! ugali, chapatis, matoke und reis machen halt doch n bissl dick!)

ich umarme euch alle ganz ganz fest und freue mich schon auf eure kommentare, die mich staendig an euch erinnern. schon toll, dass man, obwohl man so weit voneinander weg ist, so aktuelle sachen voneinander hoert, was?

n haufen kuesschen. laura.

21.1.09 16:10

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


GiGi (21.1.09 17:29)
Hallo Laura, endlich kann ich mich auch mal auf deine Seite drängeln - hi! Deine Berichte sind wirklich so, dass man hier im frisch verschneiten Dresden die Welt um sich vergisst und mit Dir in Nairobi rumschlappt...
Lies mal Deine Mail.Dort mehr Persönliches. Have a good time and: TAKE CARE!! Küsse von GiGi und Elise und Jochen.


Papa (22.1.09 18:41)
Wow, das wird ja immer mehr. Hallo Laura, zur Zeit läuft in Kroatien die Handball-Weltmeisterschaft. Im Moment spielt Deutschland (der Titelverteidiger) gegen Polen. In der Halbzeit führt Deutschland mit drei Toren Unterschied. Auch wenn Dich das nicht wirklich interessiert, wollte ich mal was Vom europäischen Kontinent berichten. Ja, das Obamafieber war auch in Deutschland. Die Stimmung kann ich mir gut vorstellen, wenn man Farbige auch schon in der Kirche kennengelernt hat. Da schwappen die Emotionen über. Ich würde Dich gerne mal sehen, wie Du mit zwei Kids im Arm die Treppen hoch und runter gehst. Mich wundert das schon, dass Du trotz der vielen Bewegungein paar Pfunde zugelegt hast. Soll Dir aber gut tun. Dass Du Dich in Deiner Freizeit auch noch einbringst finde ich echt klasse. Die Geschichte mit dem Lariam kannst Du am besten beurteilen. Wichtig ist aber zu wissen, wo der nächste Doc ist, falls Du einen brauchst. Ich gehe mit Lena und der Feuerwehr am Samstag nochmal zum Skifahren, bevor ich am Montag mit Matthias am Montag für eine Woche nach Sölden zum Skifahren gehe. Ich denke, auch dort kann ich den blog lesen. Mein lieber Schatz, ich umarme Dich ganz sackrisch und wünsche Dir weiterhin spannende Tage. Schön, immer mal wieder von Dir zu hören. Man spürt förmlich, dass es Dir Spass macht.
Tschüss,
Papa