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kontraste

hui, fragen ueber fragen. und hier die antworten:
@papa: ich weiss gar nicht so genau, wie lange ich ferien habe, aber auf jeden fall bis anfang januar. deshalb ist noch gar nicht sicher, ob ich vor dem januar-workcamp ueberhaupt nochmal zu den imani babys komme, weil dieses workcamp am 8. januar anfaengt. aber es gibt ja noch die aunties, die dort angestellt sind, die kiddies sind also nicht allein.
und das mit der demokratie ist hier eine recht spannende sache, vor allem wegen der vielen verschiedenen staemme, die es hier gibt, ist es sehr schwiereig, eine mehrheitliche mehrheit zusammenzukriegen, und das auch noch ohne wirkliche verfassung...

@ buchen: ich vermisse den schnee sooo arg! es fuehlt sich gar nicht wie weihnachten an: keine lebkuchen, kein tannenbaum, keine lichterketten, nur hitze und staub... ausserdem wird hier weihnachten gar nicht so gross gefeiert, oder zumindest nicht so traditionell. aber wir werden das beste draus machen!

@elli: wahrscheinlich machen wir nen ausflug irgendwohin ins gruene, ausserhalb der stadt. die adresse schreib ich gleich hier an die seite.

jetzt muss ich euch erstmal erzaehlen, wo ich am samstag abend gelandet bin. david ist bei mehreren projekten involviert, unter anderem auch bei dorothy, einem model. die ruft ihn von zeit zu zeit an und sagt: komm hier hin, komm da hin, und schiess ein paar fotos. und am samstag abend durfte ich also mit. dorothys fahrer, der verrueckte dickens, hat uns abgeholt und zu einer villa gebracht. da mussten wir uns erstmal auf die gaesteliste setzen lassen. das ganze war eine modenschau im garten unter pavillons, die leute waren ziemlich aufgetakelt und trugen glitzernde masken (war wohl das motto der party). zuerst hatte wahoo ihren auftritt, die ist wohl sehr beruehmt und hat ein paar ihrer lieder gesungen. dann wurde sylvia oworis neue kollektion vorgefuehrt, wie mans aus dem fernsehen kennt, total glamuroes. und das essen! (natuerlich alles auf kosten des hauses.) stellt euch vor, ich hab erdbeerkuchen gegessen! ERD-BEER-KUCHEN!! allerdings hatte das alles einen bitteren beigeschmack, weil ich staendig dran denken musste, dass ganz in der naehe kibera, der groesste slum afrikas, liegt, wo leute leben, die vielleicht nicht mal wissen, dass sowas wie erdbeerkuchen ueberhaupt existiert. als ich mich einige tage spaeter mit jemandem darueber unterhalten habe, meinte sie: daran solltest du dich gwoehnen; diese kontraste sind typisch fuer kenia. war auf jeden fall mal eine sehr verrueckte erfahrung, mit schlabberhose und t-shirt zwischen der ganzen oberflaechlichen high society zu sitzen. wir haben uns durchaus amuesiert ueber diese merkwuerdige gesellschaft!

sonntags gings dann mit joyce und david auf den safari walk, was eigentlich nur ein recht unspektakulaerer zoo ist. vielleicht war es zu heiss, oder einfach der falsche tag, jedenfalls haben sich viele tiere gar nicht blicken lassen. trotzdem war es ganz angenehm, mal nicht zwischen abgasen, autos und menschenmassen dahinhasten zu muessen, sondern etwas frische luft und gruene blaetter zu haben.
abends haben sich dann im office noch mehr freiwillige eingefunden, die alle im dezember-workcamp waren. auch die haben jetzt weihnachtsferien, wir sind also ziemlich viele (hauptsaechlich deutsche und japaner) und koennen viel unternehmen. der grossteil von denen wird ueber weihnachten nach mombasa fahren, aber ich glaube, ich moechte es ein bisschen ruhiger angehen mit den wenigen, die hier bleiben.

gestern, also am montag, hab ich dann david zum go down arts center begleitet, wo ehemalige strassenkinder ganz irre akrobatiksachen machen. jessie, einer der mitarbeiter dort, hatte seine gitarre mitgebracht. er hat sie seit drei jahren, kann aber nicht spielen. ich meinte, ich kanns auch nicht so gut, aber das wenige was ich kann, kann ich ihm beibringen. er war sofort feuer und flamme, weil seine "vision" in erfuellung gegangen ist: er meinte, er wuerde sichnie einen lehrer suchen. 'the teacher will find the student.' - 'der lehrer wird den schueler schon finden.' bei dem versuch, die drei jahrealten saiten zu stimmen, hab ich eine natuerlich gleich mal zerissen. da meinte er nur: so, um das jetzt wieder gut zu machen, bist du schlichtweg gezwungen, hierher zu kommen und mich zu unterrichten. mach ich doch gerne! endlich mal wieder gitarre spielen! heute wollte ich eigentlich schon die erste "unterrichtsstunde" abhalten, aber mein magen-darm-trakt macht zu komische geraeusche, als dass ich mich heute schon wieder ins city center stuerzen wollte.

das war gestern naemlich echt eine ueberdosis. nach davids arbeit mussten wir ein paar sachen wegen seiner kreditkarte klaeren - wow, der hat echt probleme mit seiner komischen bank, da hab ich richtig glueck! raiffeisenbank bibertal rules!!! im matatu hat uns dann leich noch irgendein wildfremder geschaeftsmann seine nummer aufgedraengt, falls wir was unternehmen wollen, sollen wir ihn einfach anrufen--- klaaar, kein problem. ich hatte "zufaellig" ueberhaupt kein handy und david hatte seins "zufaellig" nicht dabei. es ist echt nervig, aber als mzungu muss man hier schon den ein oder anderen trick anwenden, wenn man nicht permanent belagert werden moechte.

hab dann noch ne hose gekauft, aber dann hatte ich genug vom dermassen ueberfuellten city center. unser matatu richtung buruburu war voll gequetscht bis obenhin und wir brausten in vollem tempo ueber irgendwelche schleichwege und uebelste strassen, um dem allabendlichen feierabendstau zu entkommen. ich hab nicht viel gesehen, aber david meinte, die leute am strassenrand haette sich totgelcht, weil in solchen gegenden wohl sonst eher selten ein matatu vorbeikommt.

waesche konnte ich uebrigens vor einigen tagen endlich waschen, in nairobi existiert jetzt ein rationierungssystem, das heisst, wenn wir fuer ein paar stunden oder tage wasser haben, werden saemtliche eimer, faesser und kanister gefuellt, um die woche ueber versorgt zu sein, bis es wieder neues gibt.

jetzt werde ich mal meine erste gitarrenstunde vorbereiten und mich mal umhoeren, was die anderen noch so machen.

viele gruesse an den schnee (wow, ich hab ein foto von unserem garten gesehen - ihr seid echt zu beneiden!).

16.12.08 10:48

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Papa (16.12.08 21:06)
Hallo Große,
schöne Grüße aus der Heimat. So spektakulär wie bei Dir ist es hier natürlich nicht. Ich komme gerade vom Pizza essen mit der Handball C-Jugend. Ich freue mich, dass Du mal wieder eine Gitarre in Händen halten kannst. Das macht bestimmt richtig Spass. Auch dass Du nebenbei noch "Gitarrenunterricht" gibst, ist bemerkenswert. Dass die Tatsache mit den recht krassen Unterschieden zwischen arm und reich, Dich zum Nachdenken bewegt hat, kann ich gut nachvollziehen. Aber so etwas gibt es auch auf dem europäischen Festland. Als wir vor etlichen Jahren in Portugal waren ist mir dieser Unterschied auf wenigen Metern auch bewußt worden. Aber bedenke, dass Du den Armen hilfst und ich hoffe, nein ich weiß, Dir macht diese Aufgabe immer noch Spass. Die vielen Facetten dieses Landes kennen zu lernen, ist bestimmt auch sehr lehrreich. Da fällt mir ein, heute hat Norman Geburtstag. Nun schicke ich Dir noch ein paar neblige, feuchte und kalte (nicht wörtlich gemeint) Grüße in das heiße und staubige Nairobi.
Liebe Grüße und KWA HERI,
Papa